Kallocain

Informationen über die Autorin Karin Boye und ihren Roman Kallocain

Recherche

Best of Gesammeltes aus der Vorbereitung im Schreibprozess

Script/Schreiben

Hier steht u.a. mein Hörspiel-Script (ab 7/2021 unter CC BY-NC-SA 3.0 DE)

Audio/Klang

Hörspiel in Theorie und Praxis, Hör-Tipps,  Meilensteine

Neu

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BBB Events

Eine Stunde alltagsfrei

BigBlueButton ist ein Videokonferenzsystem (Open Source), das sich gut zum gemeinsamen Schaffen eignet. Mein BBB-Server steht am Bodensee, datensicher und DSGVO-konform. Hier liegt eine Anleitung für Menschen, die noch nicht so firm mit Vidkonfi sind.

Workshops

Abwechselnd 14-tägig Montags 18 Uhr, Datum und Einladung kommt per eMail

Chat-Theatre // Impro-Schreiben, ein Stück entsteht im Chat, spontan, auf Zeit, geknüpft aus Text in Twitterlänge. Auf Wunsch dokumentiere ich das Ergebnis in Gesammeltes

Schreibzeit // Schreibspiele für Autor:innen, jeweils eins, mit Vor- und Schlussrunde max. eine Stunde. Die Spiele dokumentiere ich in Gesammeltes, Ergebnisse nur auf Wunsch der Beteiligten.

Hörzeit // Eine Stunde zum Ohren Schärfen und Geräusche Sammeln. Geräuschrezepte dokumentiere ich in Gesammeltes

OpenHour // Zeit für inhaltliche, handwerkliche und audiotechnische Fragen.

»wissnwolln«

14-tägig Donnerstags 18 Uhr, Datum und Einladung kommt per eMail

(1) Kurzer Input und rund 40 Min. Austausch über gesellschaftspolitische, soziale oder psychologische Fragen, die sich aus dem Roman »Kallocain« und der Recherche für mein Script ergeben. Freue mich auf Eure Fragen, Anregungen und Erfahrungen!

(2) Literatur, Kino, Theater, Musik, bildende Kunst, Games – Was bedeutet Kultur für Dich? Konsumieren oder machen: Wofür brennst Du? Was fehlt? Sprecht mit mir über Euer Kulturthema!
Interessierte bitte vorab melden: post@aigiko.de. Ich zeichne das Gespräch auf und lade dann zur Podcast-Premiere mit Live-Chat auf youtube ein.

PC Praxis

Mir liegt viel daran, dass hier auch Menschen teilhaben können, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind. Erste Hilfe für Doppel-Linkshänder:innen am PC: Eine Stunde für eher grundlegende Fragen. Bitte schreibt mir Themenwünsche oder Euer konkretes Anliegen kurz an post@aigiko.de. Ich lade dann eine kleine Gruppe mit ähnlich gelagerten Fragen für einen Montag zwischen den Workshop-Montagen ein.

Podcast

Logo Podcast: Eine intensiv blickende Eule schmiegt sich an ein baumgroßes Fragezeichen

#1 Auf den Spuren von Karin Boye: Ein Gespräch mit dem Bielefelder Historiker Bernd Wagner.

Blog

Mein Impfangebot

(Juni 2021) Ein akustischer Quickie ...

... Ich weiß, dass alle ihr Bestes geben und ich gönne es allen Geimpften von Herzen – trotzdem konnte ich mir diesen satirischen Seitenhieb auf Spahns Schönsprech nicht verkneifen.

Bienfonie

(Mai 2021) Kollektives Gesummsel zum Welttag der Bienen

In kollektiven Normensystemen hat das Wohl der jeweiligen Gemeinschaft, sei sie staatlich, religiös oder familiär, stets Vorrang vor individuellen Interessen. Diese tiefe Überzeugung meines Protagonisten Leo Kall habe ich erst spät verstanden. Obwohl sein stärkster Antrieb ist, sich in Sicherheit zu bringen und nach oben zu strampeln, geht es ihm weniger um Macht, als vielmehr um die Stärkung des Kollektivs, weil das unbedingt gefestigt sein muss, bevor er als kleines Rädchen im Getriebe Sicherheit finden kann.
Menschen tendieren zu martialischen Formen von Kollektivismus, Bienenvölker haben es da leichter. Sie werden für ihre kollektive Lebensart oft ein „Superorganismus“ genannt. Rollen und Funktionen sind streng aufgeteilt, nur im Zusammenspiel kann der „Bien“ überleben.
Heizerbienen lassen ihre Muskeln zittern und heizen das Innere des Stocks auf komfortable 35 Grad Celsius. Kühlerbienen schleppen Wasser herbei und fächeln mit ihren Flügeln. Putzbienen bringen den Müll runter, Ammenbienen ernähren den Nachwuchs, Wächterbienen behalten in der ersten Wabengasse das Flugloch im Auge. Sie lassen nur Bienen durch, die den Duft des eigenen Volkes tragen. Nähert sich ein fremdes Wesen dem Flugloch frontal, greifen die Wächterbienen an. Mit ihrem Stich setzen sie eine Duftmarke aufs Opfer, damit die anderen wissen, auf wen sie loszufliegen haben, sollte die Wächterbiene Unterstützung brauchen.
Die Königin bekommt zwar als einzige Nachwuchs, die Chefin ist sie deshalb noch lange nicht. Entscheidungen über den besten Nistplatz zum Beispiel trifft das Kollektiv, indem sich Spurbienen tanzend über die Güte ihrer Fundorte austauschen und sich auf den besten Ort einigen. Am Muster des Bienentanzes liest das Bienenvolk Richtung und Entfernung des empfohlenen Nistorts ab und macht sich im Pulk auf den Weg.
Imker müssen schon ein wenig tricksen, um ihre Völker am Ort zu halten. Solange es nur eine Königin gibt, die den pieksauberen Stock mit ihren Pheromonen beruhigt, machen alle, was sie sollen.
Von der Seite langsam herangehend konnte ich das Aufnahmegerät rund 20 Zentimeter vorm Flugloch aufstellen. Die Bienen haben weder mich noch das Gerät als Gefahr eingeschätzt, es war eine tolle Begegnung.

Byron, Darkness (1816)

Übersetzt von Fritz Lemmermeyer, gesprochen von [aigiko]

Das Jahr ohne Sommer

Im Juni 1816 schrieb Lord Byron (George Gordon) dieses düstere Stück, eine der ersten literarischen Dystopien. Er hatte sich mit Freund:innen, darunter Mary Shelley und sein Leibarzt Polidori, in einer Villa am Genfer See eingemietet. Ein Jahr zuvor war in Indonesien der Vulkan Tambora ausgebrochen, in glühendem Ascheregen und Tsunami starben über 100.000 Menschen. Staub, Asche und Geröll flogen 50 Kilometer hoch und änderten das Klima rund um den Erdball.
Das folgende Jahr brachte auch Europa in Hungersnöte. Staub und Asche verdunkelten den Himmel, es goss und schneite von April bis September. In den Ringen alter Bäume lässt sich der Mangel des "Jahres ohne Sommer" heute noch ablesen.
Die Naturkatastrophe inspirierte Byron zu seinem Gedicht, Mary Shelley begann ihren Frankenstein zu schreiben und John William Polidori entwarf in seiner einzigen Erzählung die Figur des Vampyr, die Bram Stoker 1897 zum legendären Grafen Dracula weiterdrehte.

Das Experiment sind wir

(7.4.2021) Nichts stoppt die "große Beschleunigung", aber im Mitdenken können wir aufholen. Eine Rezension

Christian Stöcker ist Kognitionspsychologe und Wissenschaftsjournalist, leitete fünf Jahre lang das Netzwelt Ressort bei "Spiegel Online", lehrt "Digitale Kommunikation" an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und er schreibt Sachbücher. Sein aktuelles erschien 2020 im Blessing-Verlag: Das Experiment sind wir.
Die Menschheit übt sich im Selbstversuch ohne Kontrollgruppe: "Können siebeneinhalb Milliarden Menschen, die wenig mit Exponentialfunktionen anfangen können, mit einer sich exponentiell verändernden Welt umgehen oder nicht?" Als kooperative, neugierige und lernfähige Spezies können wir das hinbekommen, zeigt sich der Autor optimistisch und fächert nicht nur die fürs 21. Jahrhundert wichtigsten Felder sich stetig beschleunigender Veränderungen auf. Er erklärt auch die psychologischen Mechanismen, die naturgemäß den menschlichen Verstand vernebeln und ihn die Gegenwart verkennen lassen.
Stereotype und kognitive Verzerrungen zählen dazu, aber auch die fahrlässige nostalgische Blasiertheit eines klassischen Bildungsideals. Solange Konsumierende den Mechanismus des »abwärts gerichteten sozialen Vergleichs« nicht an sich wahrnehmen, geht es dem Kapitalismus blendend. "Der Mensch kann sich selbst nicht trauen."

Wissen hilft.

Informationellen Overkill vermeidet Stöcker, indem er zentrale Themen in Exkurse ausgliedert, die als kleines Nachschlagewerk für sich stehen. Ein wunderbares Buch. Was haben lernende Maschinen und Bildungsideale, Biotechnologie und Weltklima, Social Media und das Brettspiel Go miteinander zu tun? Auf sie alle wirkt sich die "große Beschleunigung" aus, die Wissenschaftler:innen 2004 an sozioökonomischen und Erdsystem-Trends ausmachten und in Kurvendiagrammen darstellten. Die zeigen, wie radikal und immer schneller menschliches Handeln seit 1750 auf das System Erde wirkt. Anthropozän. Dabei verläuft die unkontrollierbare Beschleunigung noch langsam genug, um sie im Alltag leicht zu verdrängen. Wer macht sich schon bewusst, dass die meisten Leute heute einen Taschencomputer bei sich tragen, der leistungsfähiger ist als die, die Apollo 11 zum Mond brachten ‒ Und das ist gerade mal 52 Jahre her.
Solche Entwicklungen kommen nicht isoliert daher, sie streuen in alle Lebensbereiche. Nicht allein technologischer Fortschritt und Wirtschaft wachsen immer rasanter, auch Klimakrise und Artensterben verändern die Welt exponentiell innerhalb von Jahrzehnten.
Christian Stöcker hat Wissen, Denkanstöße und Ideen gesammelt, wie Menschen vielleicht noch die Kurve kriegen, indem sie ihre Errungenschaften zum Wohl aller und für die Erde nutzen. Grundlegend für diese zugegeben winzige Chance sei die Bereitschaft, Exponentialfunktionen wirklich zu verstehen, die "große Beschleunigung" als Realität in den Blick zu nehmen und Entwicklungen zu lenken, statt sich blind überrollen zu lassen. Immerhin wissen wir, was Menschen in den Jahrhunderten vor uns nicht wussten: Es liegt an uns.
aigiko 4/2021

Hör-Tipp: Krähe und Bär

(Archiv 2018) Oder die Sonne scheint für uns alle. Martin Baltscheits Kinderhörspiel mit Lina Beckmann und Charly Hübner

Für mein Empfinden stimmt bei diesem Hörspiel alles. Und es hat zur Abwechslung mal nichts mit düsteren Themen zu tun. Darum gehört auch diese ältere Hörempfehlung unbedingt in meine digitale Werkstatt.
Ein Braunbär im Budapester Zoo vernimmt Gezappel im Teich seines Geheges. Er findet eine Krähe, die sich Flügel schlagend gerade so über Wasser halten, aber nicht daraus befreien kann. Der Bär greift mit der Tatze zu, senkt den Kopf und nimmt eine Flügelspitze zwischen die Zähne. Zart hebt er den Vogel aus seiner misslichen Lage und spuckt ihn aufs trockene Land. Die Krähe stellt sich kurz mal tot, man weiß ja nie. Doch der Bär beachtet sie nicht weiter. Ein Zoobesucher hat die Szene auf youtube eingestellt.
Der Autor und Illustrator Martin Baltscheit hat aus ›Krähe und Bär‹ ein Kinderbuch gemacht. Seine Theaterfassung erhielt 2016 den Deutschen Kindertheaterpreis. Im März 2018 folgte der Kinderhörspielpreis des MDR Rundfunkrates für die Hörspielversion unter Baltscheits Regie. Das Hörspiel spreche große Menschheitsfragen nach Freiheit, Lebenssinn und Freundschaft an, heißt es in der Begründung der Jury. Außerdem sei es spannend umgesetzt mit toller Musik und tollen Sprechern.
Lina Beckmann und Charly Hübner sind Krähe und Bär. Sie sind es wirklich. Jeder Versuch, beim Zuhören ein Abbild der beiden Schauspieler vors innere Auge zu bekommen, scheitert an ihrer Kunst, Krähe und Bär zu verkörpern. Die Krähe ist androgyn, ein bisschen heiser, rotzig und frei. Was sie nicht toll findet, denn das Leben in Freiheit ist gefährlich, außerdem hat sie ständig Hunger. Ist doch viel schöner, wenn sich jemand kümmert, oder? Krähe hat sich den unbedingten Willen zum positiven Denken antrainiert. Selbst ihrer jüngsten Erfahrung der Todesnähe kann sie Gutes abgewinnen. Doch Bär gibt sich zunächst, je nun, brummig. Schon im Käfig geboren hat er nichts von der Welt gesehen, jeder Spaziergang ist nach sieben Schritten zu Ende: »Licht am Ende des Käfigs, was für eine Krähenscheiße.« Essen teilen, vergiss es.
Die Krähe lässt nicht locker, sie schleppt Requisiten an, irgendwie muss sich der Bursche doch auflockern lassen. Die Erdmännchen sagen, der Bär sei das dümmste Tier und komme nicht ins Paradies, weil er an nichts glaubt. Das hält die Krähe für Geschwätz und der Bär, der verplappert sich im Schlaf und findet die Krähe gar nicht so doof, wie er tut. Die beiden kommen ins Reden, kommen sich nah, finden sogar einen Weg, in die Haut des anderen zu schlüpfen. Mit Geschichtenzauber geht sowas.
Märchen können alles, hat Baltscheit mal in einem Interview gesagt: »Sie können schockieren und eiskalt sein, aber sie gehen immer gut aus. Das ist wichtig. Man darf Kinder nicht mit einem Fragezeichen zurücklassen.« Das Hörspiel ›Krähe und Bär oder Die Sonne scheint für uns alle‹ lässt wohl die meisten Kinder und Erwachsenen höchst inspiriert zurück. Das liegt an der wendungsreichen Geschichte, am tiefgründigen Austausch in deftigem Wortgewand und auch an der sauberen Umsetzung: Baltscheit hat auf einen Erzähler verzichtet, der Dialog zweier Zoowärter übernimmt, wo nötig, moderierende Funktion. Schnitt: Super. Die Soundkulisse ist transparent und bleibt im Hintergrund. Auch das Sounddesign passt, spielt sich nirgends nach vorn, heizt nichts künstlich an. Die Musiken stammen von der namhaften Jazzkomponistin und Saxophonistin Sandra Weckert.
Menschen anzustiften, etwas Kreatives, Lustiges oder Nachdenkliches zu tun, sei ein gutes Gefühl, beschreibt Martin Baltscheit die Motivation für sein Schaffen. Mission accomplished!
Info: Martin Baltscheit, Krähe und Bär oder Die Sonne scheint für uns alle, 2016 erschienen bei Oetinger audio

Lesen/Hören

Tipps gewürfelt ...

Sachbuch
Roman
Hörspiel

Kleingedrucktes

Hinweise und Spielregeln

Mit markiere ich ...

... externe Links, für die ich natürlich keine Haftung und so weiter. Tote Links gern melden an post@aigiko.de. Danke!

BBB-Teilnahme

Um möglichst viel Interaktion in einem überschaubaren Raum zu ermöglichen, habe ich die Zahl der Teilnehmer:innen auf höchstens 20 begrenzt. Die ersten 20 Anmeldungen per Mail beantworte ich mit Zugangsdaten. Auch kurzfristige Absagen schaffen Platz für Nachrückende, behaltet das bitte im Hinterkopf. Danke!

Spielregeln BBB-Events

Mir liegt viel daran, dass wir alle in BBB-Sessions eine gute Zeit haben. Einander zuhören, einander wertschätzend behandeln. Darum mache ich von meinem Hausrecht Gebrauch und schließe Menschen von meinen Events aus, wenn sie sexistisch, rassistisch, nationalistisch, antisemitisch, überhaupt menschenverachtend oder auch Corona-schwurbelig in Erscheinung treten.

Vorschau

Ein Blick in die Pipeline

Kallocain [Hörspiel]

Nächste Schritte: Eigenproduktion kalkulieren, Summe ansparen, Förder:innen finden. Eine weitere Fassung des Scripts Produzent:innen und Sendern anbieten. Es ist noch etwas zu früh, dieses Ziel zu konkretisieren. Stay tuned ;)

Brückenprosa

Land NRW hat mir ein weiteres Stipendium bewilligt: Interaktive Kurzgeschichten zum Lesen und Hören, Geschichten um Mitgefühl und Solidarität nach Shutdown. Start: Juli 2021

Die gelbe Tapete

Eine feministisch geprägte Schauergeschichte von Charlotte Perkins Gilman (1892): Eine junge Mutter wird von ihrem Ehemann zur Tatenlosigkeit genötigt. Was bedeutet, dass sie nichts darf, nicht schreiben, nicht lesen, nicht reisen. Er meint es gut, sie hat zu gehorchen. Die Isolation treibt sie in den Wahnsinn.
Es gibt neuere Übersetzungen und auch bereits zwei Hörbuchfassungen. Dennoch lockt mich das Stück in einer Übersetzung von Gerlinde Kowitzke (Verlag Frauenoffensive 1978). Ist natürlich mit ihr abgesprochen.

Silent Subliminals

Die unhörbaren Botschaften sind in der Werbung längst verboten, in der Wellness-Industrie aber zur Selbstsuggestion beliebt. Mit dem Thema möchte ich auf jeden Fall spielen!